Fachagentur Nachwachsende RohstoffeEin Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

 

Projektverzeichnis - Details

Demonstrationsprojekt Arzneipflanzen (KAMEL); Erkrankungen im Kamilleanbau – Erforschung der Ursachen und erste Lösungsansätze zur Bekämpfung - Akronym: Kamilleerkrankungen

Anschrift
Julius Kühn-Institut Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) - Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst - Außenstelle Kleinmachnow
Stahnsdorfer Damm 81
14532 Kleinmachnow
Kontakt
Dr. Ute Gärber
Tel: +49 33203 48240
E-Mail schreiben
FKZ
22021213
Anfang
01.03.2016
Ende
29.02.2020
Ergebnisdarstellung
Als Hauptverursacher für die Schäden an Echter Kamille wurden ein bis dato unbekannter Pilz und der Runzlige Kamille-Kleinrüssler Microplontus rugulosus identifiziert. Der Pilz konnte molekularbiologisch als Rhexocercosporidium sp. nov. (Abteilung Ascomycota, Ordnung Helotiales) identifiziert werden. Der Pilz, der die Pflanze zeitig infiziert und im Winter in der Pflanze überdauert, gefährdet insbesondere die Herbstaussaat. Frühjahrskamille wird sehr spät befallen. Außer im konzentrierten Anbau in Thüringen wurde der Pilz in Sachsen und Nordrhein Westphalen nachgewiesen. Die häufig vorkommende Art Septoria matricariae spielt für das Schadausmaß eine untergeordnete Rolle. Bei den tierischen Schaderregern wurde im Untersuchungsgebiet Thüringen vorwiegend der Runzlige Kamille-Kleinrüssler M. rugulosus nachgewiesen. Der Kamille-Glattkäfer Olibrus aeneus, dessen Larven sich im Blütenboden der Kamille entwickeln, trat zahlenmäßig sehr gering auf. Der Lebenszyklus von M. rugulosus verläuft univoltin, d.h. er vollzieht nur einen Generationswechsel pro Jahr. Die Käfer sind sehr frühzeitig, nach der Schneeschmelze aktiv und müssen im Herbst des Vorjahres bereits in die auflaufende Herbstkamille eingeflogen sein. Herbstkamille scheint somit im zeitigen Frühjahr besonders gefährdet zu sein. Frühjahrsaussaaten sind aufgrund zunehmender Frühjahrstrockenheit jedoch keine Option. Elatus Plus (Benzovindiflupyr), Folicur (Tebuconazol) sowie Karate (Lambda-Cyhalothrin) zeigten gute Ergebnisse zur Befallsreduktion bei Einhaltung von Rückstandshöchstmengen. Im konzentrierten Anbau sind für eine dauerhafte Schadensminimierung Fruchtfolgen entsprechend zu lockern. Langfristig wird in der Züchtungsforschung großes Potential gesehen. Mit den grundlegenden Kenntnissen zur Biologie von Rhexocercosporidium sp. nov. und dem Auffinden von Anfälligkeitsunterschieden in Zuchtlinien sind gute Voraussetzungen für die Züchtung widerstandsfähiger Kamillesorten erarbeitet worden.
Aufgabenbeschreibung
Die Echte Kamille (Matricaria recutita L.) ist in Deutschland eine der wirtschaftlich bedeutendsten Arzneipflanzen. Ca. 80 % der Anbaufläche in Deutschland liegt in Thüringen. Mit zunehmender Konzentration des Anbaus wurde seit mehreren Jahren eine rückläufige Ertragsentwicklung beobachtet. Neben der Stagnation in der technischen-technologischen Entwicklung und in der Züchtung sind die Ursachen hierfür im Auftreten von Krankheiten zu sehen. In ersten Untersuchungen am Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst des Julius Kühn-Instituts und der Pharmaplant GmbH zeigte sich, dass die Krankheitsursachen sehr komplex sind. Zur Lösung der phytopathologischen Probleme war es daher notwendig, die Schadursache zu erforschen und die Bedeutung der einzelnen Schadorganismen zu ermitteln, um zielgerichtete Gegenmaßnahmen erarbeiten zu können. In dem Projekt wurden vier Arbeitspakete geschnürt. Diese beinhalteten die Identifizierung der pilzlichen (1) und tierischen Schaderreger (2) sowie die Erforschung der Biologie und Epidemiologie bzw. Populationsdynamik, Untersuchungen zu Wechselwirkungen im Schaderregerkomplex (3) und die Erarbeitung erster Lösungsvorschlägen für Gegenmaßnahmen (4). Mit den Forschungsarbeiten im Projekt sollen grundlegende Voraussetzungen für die Entwicklung nachhaltiger Pflanzenschutz- und/oder Züchtungskonzepte erarbeitet werden. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, den Anbau von Kamille in Deutschland mit stabilen Erträgen und gleichbleibend hoher Produktqualität zu sichern.

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