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21.04.17

Ausweitung des europäischen Emissionshandels

<li><a href="https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=22400716">Projekt 22400716</a></li><li><a href="https://www.fnr.de/presse/pressemitteilungen/aktuelle-mitteilungen/aktuelle-nachricht/?tx_ttnews%5Byear%5D=2017&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=04&tx_ttnews%5Btt_news%5D=9697&cHash=ccfa5432cc66dc61ebb8782414ce9440">Pressemitteilung</a></li>

Wissenschaftler unter Koordination des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) der Universität Kiel untersuchen ein neues System für den EU-Emissionshandel, das auch erneuerbare Energien, alle Treibhausgase und komplette Wertschöpfungsketten umfasst. Ziel ist, die heutige Vielzahl klimapolitischer Instrumente und Fördermaßnahmen für die Energiewende durch ein einfaches Instrument zu ersetzen, das alle Energieträger berücksichtigt und volkswirtschaftlich günstiger ist. Konkret prüfen die Forscher, ob ein erweitertes Handelssystem mit Emissionsrechten für Treibhausgase solch ein einfaches, konsistentes und kosteneffizientes System sein könnte. Neben dem IfW sind die Beratungsfirma Meo Carbon Solutions und das Institut für Völkerrecht und Europarecht der Universität Göttingen als Auftragnehmer des IfW beteiligt.

Die Forscher wollen eine Erweiterung des existierenden Europäischen Emissionshandelssystems (EU-ETS) um die folgenden Parameter untersuchen:

  • Es sollen alle Emittenten von Treibhausgasen erfasst werden, also neben den fossilen auch alle erneuerbaren Energieträger sowie alle Anlagengrößen.
  • Es sollen alle Treibhausgase erfasst werden, also neben CO2, FCKW und NOx auch Methan.
  • Es sollen alle Emissionen eines Produktes, z. B. einer kWh Strom oder Wärme, entlang der der kompletten Wertschöpfungskette zur Herstellung dieses Produktes erfasst werden.

Die Grundvoraussetzung für ein funktionierendes EU-ETS und  ein EU-ETS+ gleichermaßen ist allerdings, dass die bisherigen grundlegenden Mängel wie die zu geringen Preise für die Emissionsrechte bzw. die zu großen Mengen an Emissionszertifikaten auf dem Markt korrigiert werden. Aktuell sind die Preise so niedrig, dass von ihnen keinerlei Einsparungs-Anreize ausgehen.

Die Forscher untersuchen in dem Vorhaben, wie das neue EU-ETS+ im Detail ausgestaltet sein müsste und wie der Übergang vom heutigen zum künftigen System aussehen könnte. Auch die rechtlichen Aspekte werden betrachtet. Das Projektteam untersucht außerdem die möglichen Auswirkungen des neuen EU-ETS+ auf den Welthandel: Da es ein System wie den EU-ETS in vielen anderen Ländern außerhalb Europas nicht gibt, müssten Wettbewerbsverzerrungen bei Produkten vom oder für den Weltmarkt korrigiert werden.

Übergeordnetes Ziel ist es, die Einsparung von CO2-Äquivalenten zu den volkswirtschaftlich günstigsten Kosten, auch als CO2äqu-Vermeidungskosten bezeichnet, zu realisieren. Perspektivisch müssten dafür auch andere THG-Emittenten wie Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung sowie andere Einsparungsmaßnahmen, wie zum Beispiel der Holzbau, einbezogen werden. Nur dann würden sich die volkswirtschaftlich effizientesten Maßnahmen herauskristallisieren. Dies könnte Gegenstand eines künftigen EU-ETS++ sein.

Das bis Ende 2018 laufende Vorhaben wird vom BMEL gefördert. Weitere Informationen stehen auf fnr.de unter dem Förderkennzeichen 22400716 zur Verfügung.

Schornstein; Quelle: iStock/Tick-Tock
Quelle: iStock/Tick-Tock