Fachagentur Nachwachsende RohstoffeEin Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

 

Projekte

Auswirkungen des Eichenprozessionsspinners

Risikobewertung, Überwachung und Auswirkungen von Massenvermehrungen in Eichen(misch)wäldern

Ziel

  • Identifikation der Ursachen für die großräumigen Verteilungsmuster von Eichenprozessionsspinnern (EPS) und deren Effekte auf Ökosystemfunktionen
  • Auswirkungen von EPS-Kalamitäten auf das Wachstum von Eichenwäldern erkennen und die Effizienz von Schutzmaßnahmen darstellen
  • Risiken der Gesundheitsgefährdung durch Raupenhaare darstellen Schutzmaßnahmen ableiten


Aufgaben

  • Identifikation und Charakterisierung von abiotischen und biotischen Faktoren zur Verbreitung und Dynamik von Populationen des Eichenprozessionsspinners auf verschiedenen räumlichen Skalen
  • Quantifizierung des potentiellen und tatsächlichen Holzaufkommens in Abhängigkeit von lokalen und regionalen Waldstrukturen, Bestockungsaufbau und Pflege von Beständen sowie des Insektizideinsatzes
  • Räumlich explizite Analyse der Interaktionen von Risikofaktoren, inklusive eines „Upscaling” von Befunden und Entwicklung von Szenarien der Auswirkungen des Klimawandels
  • Test von Monitoringverfahren für eine verbesserte Prognose und Überwachung des Eichenprozessionsspinnerbefalls mit Hilfe von zivilen Drohnen und Multispektralkameras
  • Beiträge zur Entwicklung eines effizienten Meldewesens via Internetapplikation zur Information und zum Schutz von Bevölkerung und Waldwirtschaft
  • Information, Kommunikation und Publikation aktueller Erkenntnisse sowie praxisorientierter Empfehlungen für verschiedene Zielgruppen
  • Biomedizinische Charakterisierung der durch den Eichenprozessionsspinner an Haut und Schleimhäuten einschließlich Lunge ausgelösten allergischen und/oder pseudoallergischen Reaktionen
  • Bereitstellung von ersten Handlungsoptionen zur Prävention von Erkrankungen durch den Kontakt zu Eichenprozessionsspinnern sowie Hinweise zur Therapie bei betroffenen Individuen
  • Bewertung der medizinischen Ergebnisse unter Aspekten von möglichen Grenzwert-Konzentrationen sowie notwendigem Arbeitsschutz (z.B. bei Forstarbeitern und Soldaten) und Bevölkerungsschutz (z.B. Schwellenwerte für die Sperrung/Evakuierung von Waldkindergärten oder Naherholungsgebieten)

 

Status Quo

In den vergangenen 20 Jahren hat sich durch die Klimaerwärmung das Verbreitungsgebiet des Eichenprozessionsspinners deutlich nach Norden verschoben und dort zu Kalamitäten geführt. Damit verschärfen die Eichenprozessionsspinner das Fraßgeschehen der heimischen Eichenfraßgesellschaft. Seit 2013 wird der Eichenprozessionsspinner daher in Wäldern massiv bekämpft. Auch aufgrund der in der Umwelt sehr langlebigen und gesundheitsbelastenden Brennhaare, welche das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. 

Es existieren bisher keine Grenzwerte, bei denen eine Gefährdung der Arbeitnehmer durch die Raupenhaare angenommen werden kann bzw. ein Arbeitsverbot ausgesprochen werden muss. Die Schutzkleidung ist uneinheitlich und sehr variabel. Daher ist der Arbeitsschutz grundsätzlich als unzureichend anzunehmen. Zudem stellen sich viele Fragen zum Bevölkerungsschutz, die bislang nicht auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse beantwortet werden können.


Vorteile

  • Durch eine Beurteilung der Effizienz von Insektizideinsätzen (im Hinblick auf deren räumliche Optimierung) kann auf den Einsatz von Insektiziden in Regionen mit geringerem Befallsrisiko und/oder einem hohen Resilienzvermögen der Eichenwälder reduziert oder sogar ganz verzichtet werden.
  • Mit der Analyse der Bedeutung von abiotischen und biotischen Ursachen von Massenvermehrungen sowie der Identifikation potentieller und/oder zukünftiger Risikogebiete lässt sich ein Frühwarnsystem vor EPS-Kalamitäten erstellen.
  • Mit der Entwicklung von proaktiven und räumlich expliziten Handlungsoptionen kann der Waldschutz verbessert und Gesundheitsrisiken verringert werden.

 

Projektdaten und -partner

  • Georg-August-Universität Göttingen – Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie – Büsgen Institut – Ökopedologie der Gemäßigten Zonen

 

Projekt-Laufzeit:
Januar 2021 – Dezember 2023


Weiterführende Informationen zum Projekt finden Sie hier:
Projektdatenbank: www.fnr.de/index.php
Pressemitteilung: www.kiwuh.de/presse/pressemitteilungen/aktuelle-nachricht/fruehwarnsystem-fuer-eichenprozessionsspinner
Galerie: www.kiwuh.de/service/wissenswertes/bildergalerie-eichenprozessionsspinner
 

      Adulte Raupen des Eichenprozessionsspinners besitzen bis zu 650 000 Gifthaare. Foto: Lukas Beule

      Adulte Raupen des Eichenprozessionsspinners besitzen bis zu 650 000 Gifthaare. Foto: Lukas Beule

      Ab dem 3. Larvastadium bildet die Raupe erst „Brennhaare“ aus, die im zoologisch-anatomischen Sinn aber keine Haare sind. Es handelt sich um 0,1 – 0,25mm lange Giftdrüsen mit dem Nesselgift Thaumetopotein. Foto: ENVIRUS

      Ab dem 3. Larvastadium bildet die Raupe erst „Brennhaare“ aus, die im zoologisch-anatomischen Sinn aber keine Haare sind. Es handelt sich um 0,1 – 0,25mm lange Giftdrüsen mit dem Nesselgift Thaumetopotein. Foto: ENVIRUS