Fachagentur Nachwachsende RohstoffeEin Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

 

Projekte

EVA-BioKULT

Sphagnum-Biomasse für die Herstellung von Standard-Kultursubstraten im Erwerbsgartenbau

Ziel

Kultivierung von Sphagnum, auch als Torfmoos bekannt, und dessen Verwendung als Torfersatz in gärtnerischen Substraten

Aufgaben

  • Verbesserung des Ertrags und der Wirtschaftlichkeit bei der Kultivierung von Sphagnum
  • Untersuchung biologischer und physikalischer Parametern der verwendeten Sphagnum-Arten
  • Definition von Wertebereichen für qualitativ hochwertige Sphagnum-Biomasse in Bezug auf Wasserkapazität und Schüttdichte
  • Wirtschaftlichkeitsanalyse des entwickelten Produktionsverfahrens

Status Quo

In Europa ist Deutschland der größte Verbraucher von Torf und Hersteller von Kultursubstraten für den Erwerbsgartenbau. Der klimaschädliche fossile Rohstoff ist endlich und wird zunehmen aus Nord- und Osteuropa importiert. Zum Schutz der verbliebenen Moorstandorte sind Alternativen gefragt, die als Kultursubstrat für den Gartenbau geeignet sind.

Torfmoose sind Haupttorfbildner in natürlichen Hochmooren. Sie eignen sich daher aufgrund ihrer ähnlichen Eigenschaften zu Weißtorf sehr gut als Substratrohstoff. In verschiedenen Versuchen gelang bereits die Herstellung von Erdpresstöpfe mit einem Torfmoos-Anteil von 50%. Bei anderen Anwendungen, z. B. für die Zierpflanzenproduktion, ist ein Anteil von Torfmoos-Biomasse von bis zu 100% möglich.

Die große Herausforderung im Bereich der Torfmoos-Produktion sowie den Einsatz der Sphagnum-Biomasse als Substratrohstoff und Torfalternative besteht darin, die Biomasse mit reproduzierbaren Eigenschaften ökonomisch effizient in großen Mengen herstellen zu können. In Deutschland fanden Produktionsverfahren bislang ausnahmslos im Freiland statt. Die größte Sphagnum-Produktionsfläche befindet sich mit 14 ha auf Hochmoorgrünland in Niedersachsen. An dem Standort werden praxisrelevante Ernte- und Regenerationsversuche durchgeführt (Vorhaben „MOOSWEIT“ und „MOOSzucht“). Die dort angebauten Torfmoose müssen unter den gegebenen Standortbedingungen wachsen. Bis auf den Wasserstand sind die Anbaubedingungen kaum zu beeinflussen. Mit der Kultivierung von Sphagnum in mehreren Ebenen kann die Effizienz der Biomasseproduktion deutlich erhöht und die Bedingungen gezielt gesteuert werden. Bei erfolgreicher Etablierung kann Sphagnum-Biomasse als Torfalternative in Kultursubstraten einen deutlichen Beitrag zur Torfminderung beisteuern.

Vorteile

  • Das Projekt bildet eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Implementierung von Sphagnum-Biomasse als Ausgangsstoff für gärtnerische Substrate in Deutschland. Damit unterstützt das Vorhaben maßgeblich die Ziele der Torfminderungsstrategie der Bundesregierung und die damit verbundenen Bemühungen, die Herstellung von Substraten nachhaltig zu gestalten.
  • Mit dem entwickelten Produktionsverfahren wird hochwertige Sphagnum-Biomasse mit einem vernachlässigbaren Anteil an Fremdpflanzen erzeugt.
  • Die Kultivierung im geschützten Anbau ermöglicht eine hochgradige Steuerung und damit Optimierung des Verfahrens bei gleichzeitig hoher Flächennutzungseffizienz.

Projektdaten und –partner

Humboldt-Universität zu Berlin
Lebenswissenschaftliche Fakultät
FG Urbane Ökophysiologie der Pflanzen

Projektverantworlichkeit: Stefan Irrgang, Armin Blievernicht
Projektleitung: Prof. Dr. Dr. Christian Ulrichs

Lentzeallee 55/57

14195 Berlin
E-Mail: sphagnum.research@hu-berlin.de

Projekt-Laufzeit:

August 2020 – Juli 2023

Weiterführende Informationen finden Sie hier:


Kahnblättriges Torfmoos (Sphagnum palustre) am Naturstandort

Kahnblättriges Torfmoos (Sphagnum palustre) am Naturstandort

Als Folge der Aufbereitung der gesammelten Sphagnum-Biomasse bilden sich auf einem Moosfragment viele neue Fragmente. Auf dem Bild sind sie als kleine grüne Blättchenansammlungen zu sehen. Diese wachsen aus ihrem obersten Punkt – dem sogenannten Moosköpfchen (Capitulum) – zu vollständigen und autarken Pflanzen heran, die später einen dichten Moosteppich bilden.

Als Folge der Aufbereitung der gesammelten Sphagnum-Biomasse bilden sich auf einem Moosfragment viele neue Fragmente. Auf dem Bild sind sie als kleine grüne Blättchenansammlungen zu sehen. Diese wachsen aus ihrem obersten Punkt – dem sogenannten Moosköpfchen (Capitulum) – zu vollständigen und autarken Pflanzen heran, die später einen dichten Moosteppich bilden.