Fachagentur Nachwachsende RohstoffeEin Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

 

Projekte

Paludikulturen in die Praxis bringen

Ziel

Das Verbundprojekt Paludi-PRIMA soll dazu beitragen, Paludikulturen auf Niedermoorstandorten verstärkt in die Praxis zu bringen. Mit dem Anbau von Schilf und Rohrkolben soll der Torf erhalten und durch die stoffliche Verwertung der Biomasse eine hohe Wertschöpfung erzielt werden.

Aufgaben

Paludi-PRIMA untersucht einheimische Pflanzenarten, die an wassergesättigte Böden angepasst sind. Die Projektaufgaben umfassen eine große Bandbreite, die von der Grundlagenforschung über den Praxisanbau auf ca. 10 Hektar bis hin zur Erarbeitung von Empfehlungen für Landwirte, Behörden und Politik reicht.

Folgende Fragestellungen werden im Projekt bearbeitet:

  • Welche Arten bzw. Genotypen von Rohrkolben (Typha angustifolia, Typha latifolia) und Schilf (Phragmites australis) sind für unterschiedliche Standorte und Verwertungslinien geeignet?
  • Welchen Einfluss haben Standortauswahl und Management (Wasserstand, Nährstoffverfügbarkeit, Ernteregime) auf Produktivität und Biomassequalität?
  • Welche Kosten entstehen bei der Umstellung auf Paludikulturen (Flächenvorbereitung, Anbau, Management, Ernte, Trocknung, Lagerung)?
  • Wie ist die Wirtschaftlichkeit von Paludikulturen in Abhängigkeit von Biomassequalität und möglicher Verwertungswege einzuschätzen?
  • Wie kann Paludikultur in Agrarpolitik, Genehmigungsrecht und Planungsprozesse integriert werden?

Status Quo

Pilotflächen für Anbau-Paludikulturen sind häufig sehr klein (≤ 0,5 ha). Bei größeren Flächen werden parallel verschiedene Pflanzenarten getestet. Daher mangelt es an praxisnahen Flächen, anhand derer die Herausforderungen der Entwicklung praxisreifer landwirtschaftlicher Produktionsverfahren auf Mooren untersucht und gelöst werden können. Die Paludi-PRIMA-Fläche ermöglicht, Praxiserfahrungen und Kostendaten zu Etablierung, Management und Ernte zu sammeln, die Bestandsentwicklung zu untersuchen und Ökosystemleistungen zu quantifizieren.

Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik der EU hat wesentlichen Einfluss auf Landnutzungsentscheidungen. Mit der neuen Förderperiode ab 2023 wird die Klimarelevanz von Moorböden anerkannt und ein Mindeststandard zum Schutz von kohlenstoffreichen Böden (Feuchtgebiete und Moore) eingeführt. Darüber hinaus wird Paludikultur explizit genannt und ein Verlust der Beihilfefähigkeit soll zukünftig ausgeschlossen werden.

Vorteile

  • Klimaschutz: Flurnahe Wasserstände erhalten den Torfkörper als Langzeit-Kohlenstoffspeicher und minimieren CO2-Emissionen
  • Erhalt von Nutzflächen: Bodendegradierung und Sackung werden gestoppt, zukunftsfähige Produktionsverfahren für Moorböden entwickelt
  • Bioökonomie: Ersatz fossiler Rohstoffe, ggf. Kohlenstoffspeicherung in langlebigen Produkten
  • Gewässerschutz: Nährstoffrückhalt und damit Entlastung der Gewässer
  • Wasserhaushalt: Wasserrückhalt und Verdunstungskühlung
  • Artenschutz: Ersatzlebensräume für moortypische Tier- und Pflanzenarten

Projektdaten und –partner

Teilvorhaben 1: Universität Greifswald:
Anbau, Management und Ernte von Rohrkolben und Schilf, Biomassequalität, Ökonomische Bewertung, Übertragbarkeit & Wissenstransfer

Teilvorhaben 2: Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern
Arbeitszeitstudien und Integration von Paludikultur in die Praxis

Projekt-Laufzeit:

Teilvorhaben 1: Mai 2019 – April 2022
Teilvorhaben 2: Juni 2019 - Mai 2022

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

Projektwebseite: www.moorwissen.de/prima

Paludi-PRIMA hat sich an der internationalen Paludikultur-Tagung RRR2021 (09.-11.03.2021) beteiligt. Die entsprechenden Beiträge sind hier online verfügbar.

Virtuelle Exkursion zur Projektfläche bei Youtube: https://youtu.be/cY4YAqD_eSY

Luftbild der Rohrkolbenfläche des Projektes Paludi-PRIMA bei Neukalen im November 2020

Luftbild der Rohrkolbenfläche des Projektes Paludi-PRIMA bei Neukalen im November 2020

Die Aufnahme zeigt Setzlinge der Rohrkolben-Arten Typha angustifolia und Typha latifolia kurz vor der Pflanzung und anschließenden Wiedervernässung im Jahr 2019. Im Hintergrund ist ein Bagger bei der Anlage einer Verwallung zum Wasserrückhalt zu sehen.

Die Aufnahme zeigt Setzlinge der Rohrkolben-Arten Typha angustifolia und Typha latifolia kurz vor der Pflanzung und anschließenden Wiedervernässung im Jahr 2019. Im Hintergrund ist ein Bagger bei der Anlage einer Verwallung zum Wasserrückhalt zu sehen.